Der Untergang der 12. SS-Panzerdivision: Was bei Falaise wirklich geschah | Dokumentation D

Es ist der 18. August 1944. Über den Hügeln und Hecken der unteren Normandie hängt ein Schleier aus Rauch, Staub und Verwesung. Auf den schmalen Feldwegen zwischen Saint Lombersiv Trin und Chambo stehen ausgebrannte Panzer, zerschossene Kübelwagen, tote Pferde und tausende deutscher Soldaten in einer Schlinge, die sich von Stunde zu Stunde enger zusammenzieht.

Mittendrin an der nördlichen Front dieses Kessels kämpfen die letzten Reste einer Division, die nur etwa 14 Monate zuvor gegründet worden war und deren Soldaten zum großen Teil noch keine 20 Jahre alt sind. Es ist die 12te SS Panzerdivision Hitlerjugend aufgestellt im Sommer 1943 und sie steht in diesen Augusttagen unmittelbar vor ihrer fast vollständigen militärischen Vernichtung.

Diese Division ist in der Deutschen wie in der alliierten Erinnerung zu einem besonderen Begriff geworden. Bei den Briten und Kanadier wurde sie spöttisch und zugleich angerfüllt Babydision genannt, weil ihre Mannschaften überwiegend aus Jahrgang 1926 stammten. 17 und 18-jährige Jungen, die aus der Hitlerjugend kamen, ohne Fronterfahrung, aber mit einer Härte ausgebildet, die selbst Veteranen der Ostfront überraschte.

Innerhalb weniger Wochen erlangte die Division einen Ruf von außergewöhnlicher Kampfkraft und zugleich von beispielloser Brutalität. Beides sollte sich im Sommer 1944 in den Hecken, Dörfern und Hügeln der Normandie auf erschreckende Weise bewahrheiten. In dieser Dokumentation gehen wir der Frage nach, was bei Falls wirklich geschah.

Wir verfolgen den Weg dieser Division von ihrer Aufstellung im Juli 1943 über ihren ersten Einsatz am 7. Juni 1944 bei K bis zu ihrem Untergang in der Kesselschlacht zwischen dem 7. und 21. August. Wir analysieren die Entscheidungen Adolf Hitlers, des Oberbefehlshabers Westgeneralfeldmarschall Günther von Kluge, des späteren Heeresgruppenkommandeurs Generalfeldmarschall Walter Model und vor allem des jüngsten deutschen Divisionskommandeurs des gesamten Krieges, des damals 33-jährigen SS Standardenführers Kurtmeier, genannt Panzermeier. Wir betrachten die taktischen Innovationen der Alliierten, die schweren Fehler beider Seiten und das Schicksal jener jungen Männer, die zwischen Befehl, Fanatismus und einer

immer aussichtsloser werdenden Lage zerrieben wurden. Die Schlüsse, zu denen uns die Quellen führen, sind nüchtern und zum Teil unbequem. Erstens war der Untergang der Hitlerjugenddivision nicht das Resultat einer einzelnen Niederlage, sondern das Ergebnis einer Kette von Entscheidungen, die spätestens mit Hitlers Befehl zum Gegenangriff bei Mortan am 6.

August in eine vorhersehbare Katastrophe mündeten. Zweitens kämpfte die Division über Wochen hinweg mit einer Härte, die alliierte Generäle ehrlich überraschte, was allerdings nichts daran ändert, dass diese Härte am Ende auf Kosten der eigenen jungen Soldaten ging. Und drittens war die Lücke zwischen Falais und Argentin, durch die mehrere zehntausend deutsche Soldaten entkommen konnten.

kein deutscher Erfolg, sondern ein alliiertes Versäumnis. Genau hier setzt unsere Analyse an. Um zu verstehen, warum die Zwölfte SS Panzerdivision im August dort kämpfte, wo sie kämpfte, müssen wir 18 Monate zurückgehen. Im Januar 1943 schlug SS Gruppenführer Gottlob Berger, Chef des SS Hauptamtes, dem Reichsführer S.

Heinrich Himmler vor, aus Mitgliedern der Hitlerjugend einen geschlossenen Verband in Divisionsstärke aufzustellen. Hintergrund war der dramatische Personalbedarf der Waffen SS nach den verlustreichen Schlachten an der Ostfront, vor allem nach der Katastrophe von Stalingrad. Hitler genehmigte den Vorschlag im Februar. Vorgesehen war zunächst eine Panzergrenadiervision.

Den Kader, also Offiziere und erfahrene Unterführer, sollte die erste SS Panzerdivision Leibstandte SS Adolf Hitler stellen, jene Truppe, in der Männer wie Sebrich, Fritz Witt und Kurt Meier ihren militärischen Ruf erworben hatten. Das offizielle Aufstellungsdatum war der 20. Juli. Bis zum 1.

September wurden rund 16 000 Angehörige der Hitlerjugend, größtenteils Jahrgang 1926, eingezogen und ins belgische Truppenübungsgelände Bevallot verlegt. Am 30. Oktober erfolgte die Umbenennung in 12te SS Panzerdivision Hitlerjugend. Mit dem neuen Status erhielt sie die volle Ausstattung einer Panzerdivision, ein Panzerregiment mit zwei Bataillonen, eines mit Panzerkampfwagen 4, das andere mit Panthern, zwei Panzergrenadierregimenter mit je drei Bataillonen, eine Panzeraufklärungsabteilung, ein Panzerartillerieregiment, eine Flagabteilung sowie Pionier und Versorgungseinheiten. Auf dem Papier war sie damit eine vollwertige Großeinheit der Waffen SS, in der Realität jedoch ein Verband, dessen Mannschaften erst zu Soldaten

gemacht werden mussten. Die Ausbildung in Beverallo verlief ungewöhnlich. Divisionskommandeur SS, Brigadeführer Fritz Witt, vorher Regimentskommandeur in der Leibstandarte, ordnete an, klassischen Drill weitgehend zu reduzieren und stattdessen den Schwerpunkt auf realistische Gefechtsausbildung, scharfes Schießen, Geländedienst und Panzerkampf zulegen.

viele der Rekruten noch zu jung für den regulären Alkohol und Tabakanteil waren, erhielten sie an dessen Stelle Schokolade und Bonbons, ein Detail, aus dem die Alliierten später die Bezeichnung Babydision ableiteten. Das Verhältnis zwischen Offizieren, unter Führern und Mannschaften war ungewöhnlich eng, das Auftreten informeller als bei vielen Heereseinheiten.

Diese Methode der Ausbildung erzeugte zwei Effekte gleichzeitig. eine bemerkenswert hohe Truppen Moral und einen ideologischen Fanatismus, der sich in den ersten Kampftagen rächen sollte. Zur Führungsspitze gehörten neben W zwei Männer, deren Namen mit der Geschichte der Division untrennbar verbunden bleiben.

Standartenführer Kurt Meier, geboren am 23. Dezember 1910 in Jerksheim in Niedersachsen kam aus der Aufklärungsabteilung der Leibstandarde. Er hatte sich an der Ostfront, vor allem bei der Rückeroberung Tkovs im März 1943, als rücksichtsloser, schneller und kaltblütiger Kommandeur einen Namen gemacht, war Ritterkreuzträger mit Eichenlaub und übernahm das SS Panzergrenadieriment.

25. Sturmbandführer Max Wünsche, ebenfalls hochdekoriert, übernahm das SS Panzerregiment 12. Beide galten als vertraute Witz, beide waren ideologisch tief im Nationalsozialismus verwurzelt und beide hatten den Auftrag, aus den jungen Hitlerjungen so schnell wie möglich einsatzbereite Soldaten zu machen.

Wer Meers spätere Memoiren liest, erkennt unschwer einen Mann, der seine Soldaten als Söhne sah, in deren Tod er sich nicht eingestand, sondern den er ideologisch überhühte. März 1944 wurde die Division als Bestandteil des ersten SS Panzer in den Raum K verlegt. Sie sollte Teil jener Panzerreserve sein, die einer erwarteten alliierten Landung im Westen entgegengeworfen würde.

Im Frühjahr trainierte sie im Hinterland, lernte das Gelände, baute Stellungen aus und versuchte ihre Ausstattung zu vervollständigen. Am Stichtag, dem 5. Juni hatte die Division eine Personalstärke von etwa 20.540 540 Mann und verfügte über rund 185 einsatzbereite Panzer, davon 81 Panther sowie 104 Panzerkampfwagen 4. Dazu Jagdpanzer 4 mit der langen 7,5 cm Kanone, selbst fahlerfetten Hummel und Wespe sowie Flaggeschütze unterschiedlicher Kaliber bis hin zur 888.

Am 6. Juni, dem Tag der Alliierten Landung, war die Division einer der nächstgelegenen gepanzerten Verbände an den Stränden. Doch die Freigabe zum Einsatz lag nicht beim Oberbefehlshaber Westgeneralfeldmarschall Gert von Rundstedt, nicht beim Heeresgruppenkommandeur Generalfeldmarschall Erwin Rommel, sondern allein bei Adolf Hitler.

Erst am Nachmittag gegen 14:30 Uhr traf der Marschbefehl ein. Bei Tageslicht waren die Panzer in den engen Straßen der Normandie leichte Beute für die alliierten Jagdbomber und tatsächlich erreichte die Division den Frontraum bei K erst in den frühen Morgenstunden des 7. Juni. Zu spät, um die alliierten Brückenköpfe ins Meer zurückzuwerfen, aber rechtzeitig, um den geplanten kanadischen Vorstoß auf Kong aufzuhalten.

Am Vormittag des 7. Juni kommt es zum ersten Gefechtskontakt. Eine Kampfgruppe unter Standartenführer Meier, Teile des Panzergrenadierregiments 25, zusammen mit einem Bataillonpanzer 4 des Regiments 12 beobachtet vom Turm der Abidardnen aus den Vormarsch der dritten kanadischen Infanteriedivision. Meer läßt den Feind in eine Falle laufen.

Als die führenden kanadischen Schermenpanzer der achten kanadischen Brigade die Linie Frankville Auti erreichen, eröffnen die deutschen Panzer aus gedeckter Stellung das Feuer in die ungeschützte Flanke. Innerhalb weniger Stunden sind 28 kanadische Panzer abgeschossen. Die Dörfer Auti und Frankville werden zurückerobert. Die Hitlerjugenddivision hat damit ihren Einstand mit einem taktischen Sieg gegeben auf Kosten von rund 200undert eigenen Gefallenen und Verwundeten. Doch bereits am 7. und 8.

Juni geschehen jene Ereignisse, die den Ruf der Division dauerhaft beschädigen werden. In den Steinbrüchen und Höfen rund um die Abei Darden, dem Gefechtsstand des Regiments 25, werden zahlreiche kanadische Kriegsgefangene erschossen. Die Schätzungen schwanken nach Untersuchungen der späteren kanadischen Kriegsverbrecherkommission und nach Arbeiten von Historikern wie Howard Magolian und Hubert Meer beträgt die Gesamtzahl ermordeter kanadischer Gefangener zwischen dem 7. und 17.

Juni im Verantwortungsbereich der 12. SS Panzerdivision rund 156 Mann. Allein am 7. und 8. Juni werden nach kanadischen Angaben 55 Soldaten exekutiert, davon 18 in Hö und Sichtweite des Befehlsstandes Meers. Die juristische Verantwortung dafür wird im Dezember 1945 in einem kanadischen Militärgerichtsverfahren in Aurich verhandelt.

Wir kommen darauf am Ende dieser Folge zurück. Am 14. Juni 1944 wird Brigadeführer Fritz Witt im Divisionsgefechtsstand bei Venois von einer Salve der schweren britischen Schiffsartillerie getötet. Sein Kommando übernimmt umgehend Standartenführer Kurt Meier, der mit Jahren, 5 Monaten und 25 Tagen damit zum jüngsten Divisionskommandeur des deutschen Heeres und der Waffen SS in diesem Krieg wird.

Meer übernimmt eine Truppe, die bereits in den ersten Kampftagen schwer gelitten hat, deren Moral aber ungebrochen ist und die in den folgenden Wochen zu einem zentralen Bestandteil der deutschen Verteidigungslinie nördlich von Korn werden wird. Sein Stil als Divisionskommandeur unterscheidet sich kaum von seinem Stil als Regimentskommandeur.

Er führt von vorne, oft auf seinem Motorrad, oft im unmittelbaren Bereich des Feuers, oft jenseits des Bereiches, in dem ein Divisionskommandeur normalerweise zu finden wäre. Was nun folgt, ist ein wochenlanger Abnutzungskampf von ungewöhnlicher Härte. Die Briten und Kanadier versuchen mit den Operationen Epsum Ende Juni Charnwood am Juli, Goodwood ab dem 18.

Juli und Atlantik die deutschen Linien um Korn zu durchbrechen und das offene Gelände südlich der Stadt zu erreichen. Die Hitlerjugend gemeinsam mit der 21. Panzerdivision und Teilen der Leibstandarte hält Stellung um Stellung. Am 9. Juli fällt der nördliche Teil von K am 19. Juli auch der Süden.

Anfang Juli gegen den ausdrücklichen Befehl, die Linie nördlich der Stadt zu halten, verlegt Meer die zerschlagenen Reste seines Regiments auf die südliche Seite der Orne und rettet damit den Kern seiner Truppe. Die alliierte Übermacht in der Luft und im Material ist zu diesem Zeitpunkt erdrückend. Am 25.

Juli beginnt westlich von St. L die Operation Cobra. Die erste US-Armee unter Lieutenant General Omar Bradley durchbricht die deutsche Front nach einem massiven Flächenbombardement, in dessen Folge die Panzerlehrdivision praktisch zerschlagen wird. Innerhalb weniger Tage erreicht die dritte US-Armee unter Lieutenant General George S.

Patten den Atlantik bei Avranches und stößt nahezu unaufhaltsam in die offene Britannie. und in Richtung Louir vor. Die Deutsche siebte Armee unter SS. Oberstgruppenführer Paul Hauser sieht sich plötzlich von Süden bedroht. Ihre gesamte Westflanke löst sich auf. In dieser Lage trifft Hitler am 6. August die Entscheidung, die rückblickend als militärisches Verhängnis gilt.

Statt rechtzeitig hinter die Seine zurückzugehen, befiehlt er einen Gegenangriff von Mortan in Richtung Avranches, die Operation Lüttig. Vier Panzerdivisionen, darunter Teile der ersten und der zweiten SS Panzerdivision sowie die 116. Panzerdivision sollen den schmalen amerikanischen Korridor abschneiden.

General Feldmarschall Günther von Kluge, seit dem 3. Juli Oberbefehlshaber West und heresgruppenkommandeur in einer Person weiß, dass dieser Angriff aussichtslos ist. Er weiß auch, daß die zwölfte SS Panzerdivision für den Stoß ursprünglich angefordert wird, aber er fürchtet das östliche Ende seiner Front bei K ohne diese Division nicht halten zu können und behält sie bei der fünften Panzerarmee.

Diese eine Entscheidung wird die Hitlerjugend in den Strudel der nächsten Schlacht ziehen. Während Lüttig am 7. August beginnt und nach kaum 24 Stunden unter den Schlägen der alliierten taktischen Luftwaffe zusammenbricht, formieren sich nördlich von K die kanadischen, britischen und polnischen Panzerkräfte, um die deutsche siebte Armee von Norden her einzukesseln.

Die Falle steht offen. Die Division, die sie schließen, helfen soll, ist die Hitlerjugend. In der Nacht vom 7. auf den 8. August beginnt südlich von K jene Operation, die den Untergang der z SS Panzerdivision einleitet. Generalleutnant Guy Simons, Kommandeur des zweiten kanadischen Chor, hat einen für die damalige Zeit hochgradig innovativen Plan ausgearbeitet.

Seine Operation Totalize soll nicht im Morgengrauen, sondern bei Dunkelheit beginnen, gestützt auf eine künstlich erzeugte Mondnachtbeleuchtung durch Suchscheinwerfer, die ihren Strahl gegen die Wolkendecke richten. Simons setzt erstmals in größerem Umfang sogenannte Kangaru Schützenpanzer ein. umgebaute amerikanische M7 Priest Selbstfahrhaubitzen, deren Geschütze entfernt wurden und in deren Wannen nun Infanterie mitgeführt werden kann.

Damit löst er eines der zentralen Probleme der Schlacht um die Normandie, die fehlende Begleitinfanterie für vorstoßende Panzer. Gegen 23 Uhr am 7. August fallen die Bomben. Etwa 1000 schwere Bomber des Kommandos Bomber Command der Royal Air Force werfen rund 3500 Tonnen Sprengmittel auf die deutschen Stellungen rechts und links der Straße von K nach Fallis.

Die Front wird zwischen Burgebü und Saignon de Kramenil aufgerissen. Eine halbe Stunde später setzen sich sechs Kolonnen, jeweils vier Fahrzeuge breit, gegliedet aus Schermenpanzern. Kangaroos, Halbkettenfahrzeugen, Parkjagdpanzern und Minenräumern in Bewegung. Auf deutscher Seite stehen ihnen die 89. und die 85.

Infanteriedivision sowie Reste der 272. Infanteriedivision gegenüber und in Reserve hinter der zweiten Hauptkampflinie die 12te SS Panzerdivision Hitlerjugend. Die deutsche Hauptkampflinie wird in den ersten Stunden überrannt. Bis zum Morgen des 8. August haben die Alliierten in der Tiefe rund 6 bis 7 km Boden gewonnen.

Standartenführer Kurt Meier trifft an diesem Vormittag eine Entscheidung, die die folgenden Tage prägen wird. Er reagiert nicht aus dem Kommandostand heraus, sondern fährt selbst nach vorn an die Straße zwischen Cinta und Sainton. Dorthin, wo die kanadischen und polnischen Panzer im offenen Getreidefeld vorstoßen. Die zweite Phase der Operation Totalize hat sich verzögert. Erst gegen Mittag des 8.

August soll ein massiver Angriff der amerikanischen achten Luftflotte mit weiteren rund 500 schweren Bombern die deutschen Reservestellungen bei Hautmesnil zerschlagen, bevor die vierte kanadische Panzerdivision und die erste polnische Panzerdivision zum entscheidenden Stoß ansetzen. Diese Verzögerung ist Meers Chance.

Er befielt einer Kampfgruppe aus Resten des Panzerregiments Zwölf unter Sturmbandführer Max Wünsche, einer Gruppe schwerer Tiger des 100. SS Panzerabteilungsverbandes, darunter der Panzer von Hauptsturmführer Michael Wittmann sowie zusammengewürfelten Grenadieren des Regiments 25 den sofortigen Gegenangriff. Es ist eine improvisierte, fast verzweifelte Maßnahme, aber sie verfolgt eine klare Logik.

Die deutsche Front ist hier offen. Jede Stunde zählt und die alliierten Bomber werden in wenigen Stunden eintreffen. Wer dann noch im offenen Gelände steht, ist verloren. Gegen 12:55 Uhr am 8. August stirbt in einem dieser Gegenangriffe Michael Wittmann, der bekannteste deutsche Panzerschütze des Krieges, dessen Tiger zwischen Cinau und Gomes Nil von einem britischen Sherman Firefly oder nach anderer Forschungslage von einem kanadischen Scherman des 23.

Panzerregiments durchschlagen und zerstört wird. Die Besatzung kommt zur Gänze ums Leben. Widmann gehört nicht zur Hitlerjugend, sondern zurhesten SS Panzerabteilung. Doch er kämpft an diesem Tag im Rahmen von Meers improvisierter Kampfgruppe. Sein Tod symbolisiert den Charakter dieser Schlacht.

Auch die erfahrensten deutschen Panzerführer haben gegen die alliierte Übermacht keine echte Chance mehr, wenn sie ohne Luftschutz im offenen Feld manövrieren müssen. Wenig später, am Nachmittag, fallen die amerikanischen Bomben und ein Teil davon trifft die eigenen Truppen, vor allem polnische und kanadische Verbände, die Markierungsraketen in jener gelben Farbe zünden, die die Amerikaner irrtümlich für Zielmarkierungen halten.

Rund 315 Alliierte Soldaten kommen durch dieses Eigenfeuer ums Leben. Ein erstes Vorzeichen jener Tragödie, die sich sechs Tage später wiederholen wird. Trotz dieses Eigenbeschusses stoßen die vierte kanadische Panzerdivision unter Generalmajor George Kitching und die erste polnische Panzerdivision unter Generalmajor Stanislav Machek am Nachmittag des.

August weiter nach Süden vor. Sie bleiben jedoch hinter ihren Zielen zurück. Die Verteidigung Meers, gestützt auf einzelne Packsperren bei Bretteville Labé und auf Reste der Hitlerjugend bei Questney Wald verzögert die Kanadier so stark, dass die Operation Totalize bis zum 11. August endgültig zum Stehen kommt.

Die Höhe 195 nördlich von Fallese wird zwar von der vierten kanadischen Panzerdivision erreicht, aber Falles selbst, das eigentliche operative Ziel liegt noch 10 bis 12 km entfernt. Generalleutnant Simons muss eine Pause einlegen und einen neuen Angriff vorbereiten. Diese Pause, die nur drei Tage dauern wird, ist für die deutsche siebte Armee überlebenswichtig und zugleich der Moment, in dem das Schicksal der Hitlerjugend besiegelt wird.

An dieser Stelle lohnt ein analytischer Einschub. Wer war Kurt Meier in diesen Augustagen wirklich? Die Quellenlage erlaubt ein differenziertes Bild. Meer war ein militärisch hochbegabter Truppenführer mit einem ausgeprägten Gespür für den entscheidenden Moment im Gefecht. Er führte permanent von vorne, was seine Soldaten beeindruckte, was aber auch dazu führte, dass er seine Division phasenweise nur unzureichend im Großen zu führen vermochte.

Er war zugleich ein überzeugter Nationalsozialist seit dem 1. September 1930 mit einer Vergangenheit, in der bereits dunkle Kapitel standen, darunter Massaker der Leibstandarte an Zivilisten in der Ukraine im Februar 1943 in den Dörfern Jefremowka und Semonovka mit insgesamt rund 800 toten Einwohnern, von denen ein Teil in einer Kirche verbrannt worden sein soll.

Meyer befehligte zu diesem Zeitpunkt die Aufklärungsabteilung der Leibstandte und auch wenn sein direkter Anteil an diesen Verbrechen umstritten bleibt, gehört dieser Hintergrund zum Bild. In der Normandie verbindet sich diese Vergangenheit mit den Erschießungen kanadischer Gefangener bei der Abei Darden.

Was bei Fallä sichtbar wird, ist ein Mann, der seine Truppe mit nahezu fanatischer Energie zusammenhält, der zugleich aber bereit ist, Hitlers Befehle zu unterlaufen, wenn sie aus seiner Sicht die Division zwecklos opfern würden. Bereits Anfang Juli 1944 hatte er sich ohne Genehmigung südlich von K abgesetzt. Im August wird er es erneut tun. Während Totalize am 11.

August zum Stehen kommt, vollzieht sich auf deutscher Seite eine politisch militärische Krise. Generalfeldmarschall Günther von Kluge ist seit dem 7. August in zunehmend unhaltbarer Lage. Hitler verdächtigt ihn in das Attentat vom 20. Juli verwickelt gewesen zu sein. Am 15. August verschwindet Kluge für mehrere Stunden im Frontgebiet.

Sein Funkkontakt bricht ab, sein Wagen wird von alliierten Jagdbombern beschossen. Er ist zeitweise unauffindbar. Hitler interpretiert dies als Versuch mit den Westalliierten Kontakt aufzunehmen. Am 17. August wird Kluge abgelöst und durch Generalfeldmarschall Walter Model ersetzt. einen Mann, den Hitler den Löwen der Defensive nennt und der für seine eiserne Härte bekannt ist.

Model trifft am gleichen Tag im Hauptquartier ein und erkennt sofort, dass die Lage in der Normandie operativ bereits verloren ist. Er handelt rücksichtslos, ohne Hitlers Vorstellungen Beachtung zu schenken und versucht nur noch eines. Möglichst viele kampffähige Verbände aus dem sich schließenden Kessel herauszubekommen.

Kluge nimmt sich am 19. August auf der Fahrt nach Deutschland mit Zyanali das Leben. In diese Tage fällt ein Vorfall, der den Verlauf der Schlacht direkt beeinflusst. In der Nacht vom 13. auf den 14. August verirrt sich ein kanadischer Verbindungsoffizier des zweiten kanadischen Chor zwischen den Stäben der vierten kanadischen Panzerdivision und der ersten polnischen Panzerdivision.

Sein Fahrzeug gerät in das deutsche Vorfeld bei Saint Sylvain. Er wird erschossen und in seinen Unterlagen findet eine Patrouille der Zwölten SS Panzerdivision die Operationsbefehle für den nächsten Tag. Es sind die Befehle für die Operation tractable. Meer hält das Dokument zunächst für eine Täuschung, doch er handelt entsprechend, falls es echt sein sollte.

Er konzentriert die letzten verbliebenen Reserven der Division auf der erwarteten Anmarschachse. Nach den Aufzeichnungen Hubert Meers, des späteren Divisionshistorikers und damaligen Generalstabsoffiziers im Stab Meers stehen am Morgen des 14. August in vorderster Linie noch etwa 500 Panzergrenadiere, 15 einsatzbereite Panzer, 12 schwere 88er Flackgeschütze und 43 Packgeschütze des Kalibers Pack 43.

Eine bescheidene Streitmacht, aber gut positioniert. Am 14. August gegen 12 Uhr mittags beginnt die Operation Tractable. Generalleutnant Harry Krera, Oberbefehlshaber der frisch aufgestellten ersten kanadischen Armee, hat die Lehren aus Totaliz gezogen. Statt eines nächtlichen Angriffs setzt er auf einen Tageseinsatz, gedeckt durch künstlichen Rauch, geführt von der vierten kanadischen Panzerdivision auf der Westseite und der dritten kanadischen Infanteriedivision auf der Ostseite mit der zweiten kanadischen Panzerbrigade dazwischen, gefolgt von der ersten polnischen Panzerdivision Matche als zweiter Welle. Etwacht Bomber des Typs, Lancaster und Helifax werfen rund 3700 Tonnen Bomben auf die deutschen Stellungen. Doch erneut geschieht das, was bereits am 8.

August geschehen war. Mehrere Bomberverbände werfen ihre Lasten zu kurz und treffen die eigenen Truppen. Etwa 400 kanadische und polnische Soldaten werden in den ersten Minuten des Angriffs durch eigene Bomben getötet oder verwundet. Trotzdem setzt sich der Angriff in Bewegung. Die deutsche Verteidigung leistet erbitterten Widerstand, vor allem im Bereich der Leisonniederung, wo die schweren Packgeschütze der Hitlerjugend zahlreiche Schermenpanzer abschießen.

Am 15. und 16. August wird Falls selbst zum Brennpunkt. Bombenangriffe haben die Stadt bereits seit dem 7. Juni mehrfach in Trümmer gelegt. Am 16. August dringen kanadische Verbände der zweiten kanadischen Infanteriedivision unter Generalmajor Charles Folkes in die Außenbezirke ein.

Die Verteidigung wird dort nicht mehr von der Hitlerjugend als Großverband geführt, sondern von vereinzelten Resten verschiedener deutscher Einheiten und versprengten Gruppen, darunter ein letzter Trupp von etwa 60 Hitlerjungen unter Hauptsturmführer Bernhard Krause, die sich in der Ekol Supieur verschanzen und bis zum 17.

August Widerstand leisten, bis nur noch zwei Mann lebend in Gefangenschaft gehen. Falls ist am Abend des 17. August fest in kanadischer Hand. Damit ist die nördliche Schulter der Falle geschlossen. Fast, denn etwa 25 km weiter südöstlich klafft noch immer eine Lücke. Das ist jene Lücke zwischen Falais und Arjan, durch die Reste der deutschen Siebten Armee unter SS Oberstgruppenführer Paul Hauser und der fünften Panzerarmee unter SS Oberstgruppenführer Josef Sebietrich nach Osten zu entkommen versuchen.

Sie ist Resultat einer der umstrittensten Entscheidungen des Feldzuges. Am 13. August hatte General Omar Bradley, Oberbefehlshaber der z USHeresgruppe, dem 15. US Cor unter Major General Wade Helip befohlen, nördlich von Argentan zu halten. Patten, dem Korskommandeur Helip unterstand, hatte gedrängt weiter nach Norden zu stoßen und die Verbindung zu den Kanadiern bei Fallis herzustellen.

Bradley befürchtete jedoch einen aufeinanderprallen mit den von Norden kommenden britischkanadischpolnischen Verbänden und wollte Verwirrung sowie Eigenbeschuss vermeiden. Diese Entscheidung kostete die Alliierten den vollständigen Verschluss des Kessels. Anthony Bor und andere Historiker haben sie scharf kritisiert.

Gleichzeitig wird auch dem britischen Heeresgruppenkommandeur Bernard Montgomery vorgeworfen, die Koordination zwischen den nördlichen und südlichen Zangenarmen zu spät und zu lasch betrieben zu haben. Generalmajor George Kitching, Kommandeur der vierten kanadischen Panzerdivision, wird in der späteren Forschung von Bivor mit den Worten Lethargie und Inkompetenz belegt.

Kitching wird am 21. August abgelöst. Am 17. und 18. August stoßen kanadische Verbände auf die Stadt Truhun zu, polnische Verbände auf Chambois. Am Abend des 18. August steht das polnische Panzerregiment um Oberstleutnant Alexander Stefanowic auf den Höhen östlich von Chambo auf jenem Höhenzug, den die Polen wegen seiner Form Matzuga, also Streitkolben, nennen.

Es ist der Hügel 262 Nord in der deutschen Lagekarte einfach Mont Ormel. Hier verschanzen sich rund 1500 polnische Soldaten mit ca. 80 Schermenpanzern in einer Stellung, die direkt auf die einzige verbleibende Ausbruchsstraße der Deutschen blickt. Wer aus dem Kessel will, muss durch das Tal zwischen Mont Ormel und Chambois. Am 19.

August kommt es vor Chambo zu jenem symbolischen Moment, in dem der Kessel taktischer geschlossen wird. Patrouillen des 90. US Infantergiments und der ersten polnischen Panzerdivision treffen aufeinander. Doch diese Verbindung ist dünn. Auf der deutschen Seite organisieren das zweite SS Panzerchor unter SS Obergruppenführer Wilhelm Bitrich mit der zweiten SS Panzerdivision das Reich und der neunten SS Panzerdivision hohen Staufen einen verzweifelten Entlastungsangriff von außen, also von Osten her. Sie sollen die Polen vom Mont Ormel werfen und einen Korridor offen halten. Vom 20. Bis zum 21. August stürmen Kampfgruppen der 2. Und SS Panzerdivision in Wellen gegen

den Magsuga an. Die Polen ohne Möglichkeit zur Versorgung mit knapper Munition ohne Verstärkung halten die Stellung. Am 21. August abends steht das massiv noch in polnischer Hand. Es ist eine der bemerkenswertesten Defensivleistungen des gesamten Feldzuges. Während dies im Süden geschieht, kämpft die zwölfte SS Panzerdivision Hitlerjugend im Norden des Kessels. Am 20.

August erhalten die Reste der Division den Befehl, die nördliche Kesselfront bei Saint Lamberes offen zu halten, damit andere Verbände entkommen können. Meer führt persönlich eine Kampfgruppe von rund 1500 Mann mit wenigen Panzern und Sturmgeschützen. Auf der Höhe 159 hält er mit 500 Panzergrenadieren der Hitlerjugend gegen Teile der dritten kanadischen Infanteriedivision.

wird dabei verwundet und verliert kurzzeitig das Bewusstsein. In diesen Stunden gelingt es der Division zusammen mit anderen Einheiten an mehreren Stellen Korridore aufzubrechen, durch die nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 20.000 und 30.000 Deutsche Soldaten der siebten Armee entkommen.

SS Oberscharführer Rudolf Reu, ein Panzerführer der Division, soll in diesen Tagen zur Sicherung des Korridors maßgeblich beigetragen haben. Die deutsche Bilanz dieser Kämpfe ist niederschmetternd. Die 12te SS Panzerdivision verliert nach den Aufstellungen Hubert Meers vom 15. bis 22.

August, 45 Tote, 248 Verwundete und 655 vermisste, wobei diese Zahlen die Verluste der vorangegangenen Wochen nicht enthalten. Insgesamt hat die Division im Verlauf der Schlacht um die Normandie etwa 8569 Mann verloren bei einer Ausgangsstärke von 20540, eine Verlustquote von rund 43%. Bedeutsamer noch ist der Verlust an Material. ihrer Panzer sind zerstört oder ausgefallen.

Fast die gesamte Artillerie ist verloren, etwa 70% aller Fahrzeuge. Am 22. August meldet die Heresgruppe B, dass die 12te S-Panzerdivision noch über zehn Panzer und keine einsatzbereite Artillerie verfüge. Etwa 12000 Mann gelten zu diesem Zeitpunkt rein zahlenmäßig noch als zur Division gehörig. Doch viele davon sind versprengte ohne Waffen, verwundete oder rückwärtige Dienste.

Es lohnt sich an dieser Stelle einen genaueren Blick auf das Gelände zu werfen, indem sich diese Tragödie abspielt. Die Region zwischen Falais, Trun, Saint Lambert und Chambo ist eine hügelige Bokagelandschaft mit dichten Hecken, kleinen Wäldern, schmalen Hohlwegen und unregelmäßig zerschnittenen Feldern. Die einzigen größeren Verkehrsachsen führen ostwärts durch enge Talsohlen, vor allem entlang der Divs.

Diese Geländeform macht die Schlacht für beide Seiten zur Hölle. Für die alliierten Panzer bedeutet sie, daß sie ihre numerische Überlegenheit nicht voll ausspielen können. Für die Deutschen bedeutet sie, dass sich Truppen, Trosse, Pferdegespanne und Versorgungsfahrzeuge in den Talwegen stauen, wo sie zu leichten Zielen für die alliierten Jagdbomber werden.

Die Royal Air Force und die United States Army Air Forces fliegen in jenen Tagen täglich tausende von Einsätzen. Auf den Stauungen zwischen Saint Lambert und Chambo werden hunderte von deutschen Fahrzeugen und tausende Pferde zerstört. Der Geruch der Verwesung soll wochenlang über dem Tal gehangen haben.

Eisenhauer, der das Schlachtfeld kurz nach den Kämpfen besichtigt, schreibt später: “Man habe stellenweise hunderte von Mern überschreiten können, ohne den Boden zu berühren. Die taktische Überlegenheit der alliierten Luftwaffe ist in diesen Augusttagen vielleicht der entscheidende Faktor.

Die Hawer Typhoon Jagdbomber der zweiten taktischen Luftflotte und die amerikanischen Republic P 47 Thunderbolt der neunten US Luftflotte greifen jede Bewegung am Boden an, sobald die Sicht es zulässt. Die deutsche Luftwaffe ist auf den Schlachtfeldern der Normandie praktisch nicht präsent. Ein Bewegungskrieg bei Tag ist unter diesen Bedingungen für die Hitlerjugend wie für jede andere deutsche Division unmöglich.

Marschiert wird nachts oft nur wenige Kilometer am Stück mit ständiger Beobachtung des Himmels. Diese Bedingungen erklären, warum die Verbände im Kessel ihre schweren Waffen zurücklassen müssen, sobald die Treibstoff oder Munitionsvorräte zur Neige gehen. Und beides geht in den Tagen zwischen dem 19. und 21.

August schnell zur Neige. Auch die Persönlichkeit Walter Models verdient einen kurzen Einschub. Er übernimmt am 17. August faktisch das Kommando und reist sofort zu den Stäben der eingeschlossenen Armeen. Sein Stil ist abrupt, befehlend, bewusst ohne Rücksicht auf das, was er von Hitlers Lagebesprechungen aus Berlin oder dem Berhof her gewohnt ist.

Wo Hitler in jenen Tagen noch davon spricht, jeden Quadratmeter zu halten, ordnet Model den geordneten Rückzug an, befiehlt das Sammeln aller noch kampffähigen Reste hinter der Seine und konzentriert die Brückenköpfe von Elbäuf auf einen koordinierten Übergang. In gewissem Sinn rettet er das, was an deutscher Substanz im Westen überhaupt noch zu retten ist.

Genau in dieser Linie steht auch der Befehl, die zwölfte SS Panzerdivision an der nördlichen Kesselfront zu opfern, um dahinter einen Strom von versprengten und Verbänden auf die Seine zu lenken. Es ist eine kalte, rein militärische Rechnung. Eine Division wird bewusst auf Zermürbung gestellt, damit andere entkommen. Am Abend des 21.

August ist der Kessel geschlossen. Die letzten organisierten Widerstandsnester der siebten Armee kapitulieren im Tal der Divis. Polnische Verbände am Mon Ormel werden von kanadischen Einheiten der vierten Panzerdivision endlich entsetzt. Die Operation Tractable ist beendet. Die Verluste auf alliierter Seite betragen über die beiden Operationen Totalize und Tractable hinweg etwa 5500 Mann auf kanadischer Seite, dazu 1441 polnische Verluste, davon 325 Tote, 100 Verwundete und 114 vermisste.

Auf deutscher Seite liegen die Schätzungen für den gesamten Kessel von Falaise zwischen 50.000 und in einigen älteren Darstellungen sogar 2000.000 Mann an Toten, Verwundeten und Gefangenen. Realistische neuere Untersuchungen sprechen von rund 10000 Toten und etwa 50.000 Gefangenen sowie dem Verlust von rund 350 Panzern und gepanzerten Fahrzeugen, 2500 Lastkraftwagen und 250 Geschützen.

In dieser Bilanz steht die Hitlerjugend an einer besonderen Stelle. Sie ist eine der wenigen Divisionen, deren Reste durch den letzten Korridor entkommen. In den Augusttagen retten sich rund 3300 Mann der Division über die Dives und später über die Seine. Bis Anfang September erreicht die Truppe die belgische Grenze.

Doch dieses Entkommen ist nur in militärischer Statistik ein Erfolg. In Wahrheit ist die Division als Großverband in diesen Tagen zerstört. Alle ihre schweren Waffen sind dahin, ihre Artillerie ist verloren, ihre Panzer sind verbrannt oder stecken geblieben. Der 21. August 1944 markiert das Ende der zs Panzerdivision Hitlerjugend in ihrer ursprünglichen Gestalt.

Was übrig bleibt, ist ein Name, ein Kader und eine Erinnerung und ein Truppenteil, der erst in Deutschland wieder aufgefrischt werden muß, bevor er im Dezember erneut zum Einsatz kommt. Der 21. August markiert nicht nur das Ende einer Schlacht, sondern den Beginn jener Folgen, die weit über die Hügel der Normandie hinausreichen.

Für die zwölfte SS Panzerdivision Hitlerjugend selbst beginnt nun eine Phase, die als Auflösung in Bewegung beschrieben werden kann. In den letzten Augusttagen ziehen die Reste der Division unter ständigem Druck der Alliierten in Richtung seine. Am 25. August halten Teile der Division bei Rouan und Elböf eine Abwehrlinie gegen vorrückende amerikanische Verbände, um anderen deutschen Einheiten den Übergang über den Fluss zu ermöglichen.

Erst dann setzt sich der Rest selbst über. Der Weg führt weiter über Bovet an die französisch-belgische Grenze bei Hirson. Anfang September erreicht die Division die Maß und überquert sie bei Ivoir. Anschließend die Urte. Es kommt zu schweren Gefechten mit amerikanischen Einheiten. Mitte September wird die Division aus der Front herausgelöst und ins Sauerland verlegt.

Bei der Ankunft besteht sie aus weniger als 2000 Mann ohne Panzer, ohne Artillerie und mit nur wenigen schweren Waffen. Die Schicksale der zentralen Personen verdichten sich in diesen Wochen auf dramatische Weise. Kurtmeier führt die Reste der Division persönlich aus dem Kessel. Am 27. August wird er mit den Schwertern zum Ritterkreuz mit Eichenlaub ausgezeichnet als 91.

Soldat der Wehrmacht und Waffen SSS, der diese Stufe erhält. Gleichzeitig wird er zum SS Brigadeführer und Generalmajor der Waffen SS befördert. Rückwirkend zum 1. September. In den 1. Septembertagen befindet sich Meer bereits auf dem Rückzug durch Belgien. Am 6. September wird er in der Nähe von Dural, einem kleinen Ort bei Namur, von belgischen Widerstandskämpfern festgenommen, nachdem sein Wagen durch alliierte Aufklärung erfasst worden war.

Verwundet und erschöpft wird er kurz darauf an amerikanische Truppen übergeben. Es ist das Ende seines aktiven Krieges. Im November wird er in das britische Kriegsgefangenenlager Trend Park nördlich von London überstellt. Im Dezember 1945 beginnt in Aurich in der britischen Besatzungszone der Prozess gegen Kurt Meierer vor einem kanadischen Militärgericht.

Es ist das erste große kanadische Kriegsverbrecherverfahren des Zweiten Weltkrieges. Vorsitzender ist Generalmajor Harry Foster, einer jener kanadischen Offiziere, die ihm im Sommer 1944 in der Normandie gegenübergestanden hatten. Die Anklage umfasst fünf Punkte, im Kern den Vorwurf, dass Meer seine Soldaten vor dem 7.

Juni 1944 dazu angestiftet habe, alliierten Soldaten kein Pardon zu geben und dass er für die Erschießung kanadischer Kriegsgefangener bei Auti, Büron und an der Abbei Darden am 7. und 8. Juni verantwortlich sei. Am 27. Dezember 1945 wird er auf einigen Punkten freigesprochen, auf anderen schuldig gesprochen und zum Tode durch erschießen verurteilt. Am 14.

Januar 1946 wandelt Generalmajor Chris Wes als Bestätigungsinstanz das Urteil in lebenslange Haft um. Meer verbüß seine Strafe zunächst im Dorchester Penitary in New Brunswick in Kanada, später im Werl in Westfalen. Am 7. September 1954 wird er entlassen. Er stirbt am 23. Dezember 1961 an seinem 51.

Geburtstag in Hagen an einem Herzinfarkt. Sein Buch Grenadiere prägt jahrzehntelang das deutsche Bild der Waffen SS und wird von der heutigen Forschung als geschickte Apologie eingestuft. Die Lücke, die durch Meers Festnahme entsteht, wird in der Division durch andere ausgefüllt. Bereits zuvor war Sturmbandführer Max Wünsche, der Kommandeur des Panzerregiments 12, bei den Ausbruchskämpfen verwundet und gefangen genommen worden.

Kommandeur der Division wird im September 1944 zunächst Hubert Meer, der bisherige Generalstabsoffizier und spätere Divisionshistoriker. Im November übernimmt SS Standenführer Hugo Kras Kommando. Unter ihm wird die Division im Raum Nienburg an der Weser neu aufgestellt. Die Auffüllung erfolgt zu einem erheblichen Teil mit Personal der Luftwaffe und der Kriegsmarine, das aus aufgelösten Stäben und Bodendiensten zusammengezogen wird. Am 8.

Dezember hat die Division wieder eine Stärke von 48 Führern. Unterführern und86 Mannschaften auf dem Papier nahezu doppelt so stark wie in der Normandie. In Wahrheit ist es eine andere Truppe, deutlich weniger erfahren, weniger ideologisch geschlossen, schlechter ausgebildet, mit ungenügendem Material. Ab dem 13.

Dezember marschiert sie in den Blankenheimer Forst und nimmt am 16. Dezember an der Adennenoffensive teil. Sie scheitert dort an den amerikanischen Stellungen am Elsenborner Höhenrücken. Anschließend wird die Division im Frühjahr 1945 nach Ungarn verlegt, wo sie an den letzten Operationen am Plattee teilnimmt und kapituliert am 8.

Mai in Österreich gegenüber amerikanischen Truppen. Auf den Kriegsverlauf insgesamt wirkt der Untergang im Kessel von [ __ ] weit über die Division hinaus. Mit der Zerschlagung der Heresgruppe B verliert die Wehrmacht im Westen praktisch ihre gesamte mobile Reserve. Am 25. August 1944 fällt Paris. Am D. September überschreiten amerikanische Verbände bei Mons in Belgien einen weiteren deutschen Auffangraum, in dem mehrere Divisionen aufgerieben werden.

Bis zum Jahresende ist nahezu ganz Frankreich befreit, mit Ausnahme einiger Atlantikhäfen, die bis Kriegsende deutsche Stützpunkte bleiben. Die deutsche Westfront verschiebt sich an die Reichsgrenze. Die in der Normandie vernichtete Substanz an erfahrenen Panzergrenadieren, Panzerbesatzungen und Stabsoffizieren ist bis Kriegsende nicht mehr ersetzbar.

Aus diesem Grund wird der Kessel von Palais in der Forschung gelegentlich als deutsches Dühnkirchen bezeichnet. Ein Vergleich, der die operative Dimension trifft, aber nicht ganz fair ist, weil bei Dünkirchen im Mai und Juni 1940 der Großteil des britischen Heeres entkommen konnte, während aus dem Kessel von Fallais zwar zehntausende Soldaten ohne Material entkamen, die kämpfende Substanz selbst aber zerschlagen war, bleibt die Frage nach der historischen Bedeutung.

Die Zöfte SS Panzerdivision Hitlerjugend ist in der deutschen Erinnerung lange Zeit zwischen zwei Polen verhandelt worden. Einerseits als Inbegriff fanatisierter Jugend, andererseits als Beispiel besonderer soldatischer Härte. Die heutige Forschung zeichnet ein differenzierteres Bild. Sie zeigt eine Division, die durch die Kombination von erfahrenen Kadern aus der Leibstandarte und ideologisch geprägten Jugendlichen eine außergewöhnliche Kampfkraft entwickelt hat und die zugleich für eine Reihe schwerer Kriegsverbrechen verantwortlich war, deren Aufklärung sich über Jahrzehnte hinzog. Sie zeigt einen Kommandeur, dessen taktisches Geschick unbestritten ist, dessen ideologische Verblendung aber ebenso unbestreitbar bleibt. Und sie zeigt vor allem, was geschieht, wenn politische Befehle militärische Realitäten ignorieren.

Hitlers Befehl zum Halten der Stellung in Mortin, die verspätete Ablösung Kluges, das Festhalten an aussichtslosen Operationsplänen. All das sind Faktoren, die den Untergang der Division erst ermöglicht haben. Wer heute über die Hügel zwischen Falais, Trun und Chambo fährt, findet eine ruhige normannische Landschaft.

Auf dem Mont Ormel steht ein polnisches Denkmal, das an die Verteidigung des Mczu erinnert. In Sintu gibt es ein Mahnmal an die Operation Totaliz. In der Abbei Darden erinnert eine Gedenkstätte an die ermordeten kanadischen Kriegsgefangenen. In den Reihen deutscher Soldatenfriedhöfe in der Normandie liegen viele Mannschaften der Hitlerjugend.

Siebzehnen, 18unzehnjährige Männer, deren Leben in einer Schlacht endete, deren Ausgang spätestens am 6. August 1944 im wesentlichen Feststand. Die Lehren dieses Kapitels sind eindeutig. Der Untergang der z SS Panzerdivision Hitlerjugend bei Fallis war keine zufällige Niederlage und kein heroischer Untergang.

Er war das logische Ergebnis einer Strategie, die militärische Vernunft dem politischen Willen unterordnete, einer Ideologie, die junge Menschen in den Tod schickte und einer Lage, in der die alliierte materielle und operative Überlegenheit nicht mehr durch Tapferkeit oder taktisches Geschick auszugleichen war. Was bei Palais wirklich geschah, ist damit zugleich eine Geschichte des Endes einer Armee, einer Division und einer Generation.

einer Generation, deren Schicksal eine Mahnung dafür bleibt, was geschieht, wenn ein Staat seine Jugend für eine verlorene Sache verheizt.

Disclaimer: This story is fictional and created for entertainment purposes only. Any names, characters, places, or events are fictitious or used fictitiously. No real person or organization is intended to be portrayed.

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